Aktuelles im Jahreskreis

Am Meer sein ...

Entspannt. Aufgeregt. Besonnen. Wild und leidenschaftlich. Freudig und friedvoll. Davon könnte die Welt mehr brauchen. Am Meer gibt es nichts außer der Weite, und dennoch kann ich ihm tagelang zusehen. Am Meer kann ich der Welt für einen Moment den Rücken kehren, damit ich wieder atmen kann. Ich stehe da und denke nur: So. Ab hier geht’s nicht weiter. Wo doch sonst ständig alles weitergehen muss. Das Meer kommt und geht und kommt und geht – und bleibt. Unbeeindruckt vom Rest. Unbeeindruckt von der Zeit.

Vergessenes Erbe

Aus Urzeiten steigt
ein vergessenes Erbe empor,
traumhaft schön und doch verblasst
in meiner Erinnerung.

Die Wellen kommen und gehen,
streichen über die Kieselsteine
wie über uralte Geschichten.

Sie nehmen mich mit
auf eine Reise der Seele,
wo Frieden wohnt
und die Weite ihre Flügel öffnet.

Zwischen Meer und Himmel
webt die Natur ihre leise Magie
und etwas in mir wird weit und still.

-Martina E. Fuchs-

Morgenlyrik ...

Ein Blatt in der Stadt,

ein zartes Stadtpflänzchen,

vom Wind verweht, vom Regen berührt.

Mitten auf dem Gehsteig,

blüht ein stiller Zauber auf

und erfreut das Herz dessen,

der es sieht und bewundert —

nur für diesen einen Augenblick.

-Martina E. Fuchs-

Die stille Etage der Verwandlung ...

An einem Tag, an dem ich so gar nicht aus dem Bett komme – obwohl ich weiß, wie wichtig es wäre, meinen Platz in der Natur einzunehmen –, raffe ich mich nach einem halben Tag doch noch auf und fahre los. In der U-Bahn sitzend, fällt mir plötzlich mein innerer Clown ein, und spontan frage ich ihn – im klaren, leicht singenden Schwyzerdütsch-Akzent: Was würde Elisabeth aus Züri jetzt tun? Und sie antwortet, ganz schlicht: Es gibt diesen Rahmen in deinem Leben, in dem du dich bewegst, und in diesem Rahmen ist es wichtig, dass du gut für dich sorgst, dass du zufrieden bist und vor allem, dass du diesen Rahmen annimmst. „Und wie geht das?“, frage ich weiter. Sie lächelt – ich kann es hören – und sagt: Ganz einfach, geh von deinem Kopf eine Etage tiefer in dein Herz. Dort ist eine Tür, doch sie ist schwer verriegelt, ausgestopft mit altem Moos und raschelnden Blättern. Das Schloss ist rostig, der Schlüssel klemmt, als hätte er das Drehen längst verlernt. Aber zum Glück hat Elisabeth aus Züri ihren kleinen, wundersamen Werkzeugkoffer dabei, darin ein Hauch Rostlöser und ein Tropfen Öl, und behutsam sprüht und träufelt sie, geduldig, fast zärtlich, bis der Schlüssel sich zu regen beginnt, erst zögernd, dann leichter, geschmeidiger. Gemeinsam entfernen wir das alte Laub, das sich über die Jahre angesammelt hat, die Tür gibt nach, und dahinter erscheint ein Panoramafenster, noch verschmiert, trüb vom Staub vergangener Tage. Also nimmt sie auch hier ihre Tücher zur Hand, wischt und poliert, bis das Glas wieder atmen kann, und dann bricht das Licht hinein: der blaue Himmel, die grün gewordene Erde, ein leises Leuchten, das den Raum füllt. Endlich darf wieder Licht ins Herz treten, Kraft wird spürbar, Energie beginnt zu fließen, und der Clown – meine feine, leise Nase – führt mich weiter hinaus, zurück an meinen Platz in der Natur. Apropos Rahmen: Es gibt Dinge in deinem Leben, die sind einfach wunderbar, und dann gibt es Dinge, die du nicht so gerne siehst oder annimmst, aber weißt du was, all das ist gleich wertig. Jetzt sitze ich hier unter der Pappel, neben mir liegt ihr weiches Blütenhaar wie verstreute Watte im Gras, ich höre den Wind rauschen, Frösche und Vögel geben sich ein Stelldichein, als hätten sie nur darauf gewartet, dass ich wieder lausche, und die Sonne wärmt mich von hinten.
-Martina E. Fuchs-

Ein Frühlingsabenteuer auf der Wiese ...

Kleine Entdecker ganz groß – Anekdoten aus acht Wochen Abenteuer Natur im Kindergarten. Wenn Kinder und Brennnesseln Freunde werden, beginnt ein Frühlingsabenteuer auf der Wiese – leise, ein bisschen wild und ganz bestimmt magisch.

Die Haselnusskätzchen hängen in den Zweigen und sind ganz klar die Haare eines Schneemannes, der irgendwo zwischen den Halmen verschwunden ist. Vielleicht ist er geschmolzen. Vielleicht hat er sich einfach nur verkleidet. Und irgendwo, ganz heimlich, hat sich noch eine Schneeflocke im grünen Blatt des Wiesenstorchenschnabels versteckt – ein kleines Stück Winter, das noch nicht gehen wollte.

Daneben leuchtet die gelbe Kolonie der Winterlinge wie ein Blütenmeer, das sich einfach so in die Wiese gelegt hat. Man könnte darin versinken. Oder hindurchlaufen. Oder einfach stehen bleiben und staunen.

Beim Picknick sitzen alle im Gras und schnuppern an den Bärlauchblättern.
„Pfefferminzschaumbad!“, sagen sie – und genau so riecht es auch.
Und dann wird plötzlich klar: Niemand hat mehr Hunger. Kein Wunder sie haben schon so viele Blumen gegessen, so viele Düfte getrunken.

Nur mit dem Löwenzahn klappt es noch nicht so gut. Zu viel Bitterkeit. Der Löwenzahn weiß das, und lächelt gelb in sich hinein.

Mit der schnellen Unterhose läuft es sich besser. Ein Naturgesetz, das nur auf Frühlingswiesen gilt. Und vielleicht ist das alles genauso gut wie auf Bäume zu klettern oder endlich barfuß die Wiese zu erkunden.

Was bleibt ist das Flüstern von Gras, der Duft von Gundelrebe, ein Rest von Lachen.
Als hätte die Wiese den Kindern ein kleines Geheimnis mitgegeben. Und wer genau hinhört, merkt: Der Frühling geht nicht einfach vorbei, er bleibt. Ein bisschen. In uns.
-Martina E. Fuchs-

Frühlingsmomente …

Wir stehen alle zusammen unter dem blühenden Haselstrauch. Die Zweige hängen voller Kätzchen über unseren Köpfen, und ich frage die Kinder, was das wohl sei.

Ein knapp 3,5 Jahre altes Kind schaut nach oben, kneift die Augen zusammen und sagt mit ernster Miene: „Die Haare vom Schneemann.“

Und wo er recht hat, hat er recht. Denn erst eine Woche zuvor hatten wir genau diese Haselkätzchen für unsere Schneekunstwerke gesammelt – als wilde Frisuren, zerzauste Locken und stolze Schneemann-Mähnen.

Nun hängen sie wieder dort, wo sie hingehören, und wiegen sich im Wind – als hätte der Frühling unserem Schneemann heimlich seine Haare zurückgegeben.

Und ein Hauch Poesie – geboren unterwegs, irgendwo zwischen Aufbruch und Ankommen, auf meiner Frühlingsreise zum Starnberger See:

Im Zug, am Fenster,

gleitet die Welt wie ein ferner Traum vorbei.

Draußen entfalten sich

Inseln aus Frühlingsknotenblumen,

und der Huflattich

leuchtet an Pfaden

wie kleine, stille Sonnen.


Die Landschaft atmet leise,

doch in mir ist es still wie unter Wasser.


Und dennoch –

beim Anblick dieser zarten Schönheiten

steigen Tränen auf,

als wüsste mein Herz etwas,

das ich längst vergessen habe.


Alles zieht an mir vorbei:

die Felder,

die Hügel,

die Berge in der Ferne,

der See

das zartgrüne Gras.


Vielleicht auch ich selbst.

Wie ein Schatten im fahrenden Zug

durch eine Welt aus erwachendem Licht.

-Martina E. Fuchs-

Lichtmessglöckchen …

Jaaa - das noch sehr leise, aber unbeirrbare Drängen des Lebens ans Licht ist zurück. Deshalb eine kurze Geschichte zum Hoffnungsträger Schneeglöckchen.

In der ersten Zeit, als die Welt noch jung war, leuchteten Wiesen und Blüten in Rot, Blau und Gold – nur der Schnee blieb farblos, still, übersehen. Er sehnte sich nach Glanz, nach einem Platz im Farbenspiel. Die Rosen wandten sich ab, die Tulpen schwiegen und die Veilchen senkten den Blick. Da flüsterte ein kleines Blümchen, weiß wie Mondlicht: „Nimm mein Weiß. Ich brauche es nicht allein.“

Der Schnee hüllte es behutsam ein. Aus ihrem stillen Bund wuchs eine Freundschaft, zart wie Atemzug, stark wie Eis und Licht zugleich. Seitdem trägt der Schnee das Weiß des Blümchens und das Schneeglöckchen blüht, selbst wenn die Welt noch schläft. Es trägt leise Wärme, bezwingt Kälte, schmilzt Schnee und bahnt sich mutig den Weg ans Licht. Man nennt es schüchtern, doch es ist weise. Wahre Stärke kommt leise, und ein kleiner Mut genügt, um den Frühling zu wecken.

-Martina E. Fuchs-

Januar - warten oder wagen? …

Wie innen so außen. Innerlich bin ich in dieser ewig scheinenden Dunkelheit mit einem Lichtfunken auf der Suche. Noch weiß ich nicht, was ich suche. Aber stets richte ich dieses kleine, hoffnungsvolle Flämmchen in eine Ecke meines Innersten. Nichts zeigt sich, nichts will auftauchen. So ergeht es mir auch heute bei meiner Suche im Außen nach dem Schneeglöckchen. Ich suche an den mir vertrauten Orten und Plätzen voller Hoffnung, und doch kann ich es nirgends finden. Immer wieder verspüre ich einen neuen Funken an Hoffnung in mir, und ich schreite stets voran. Vielleicht ist es da oder hier, und wieder tappe ich im Dunkeln bei meiner Suche nach der weißen, zeitloser Schönheit. 

 

Im Moment hilft mir wohl nur die Erinnerung an die vergangenen Jahre und an die vielen Bilder, die ich schon von diesem wundervollen Schneefräulein gemacht habe. Nicht einmal dem Winterling bin ich begegnet, oder ein mutiges Gänseblümchenköpfchen, das Wind, Eis und Schnee trotzt, hat mich heute angelächelt. 

 

Doch ich gebe meine Suche nicht auf. Dann heißt es wohl noch ausharren und weiter warten, denn wenn ich auf eines vertraue, dann darauf, dass auch dieses Jahr der Frühling zurückkehrt und mit ihm alles, was ich suche. 

-Martina E. Fuchs-

Die Heilige Familie heute …

Als Maria und Josef endlich, nach einer schier endlosen, mühsamen und nervenzehrenden Suche einen Kindergartenplatz für ihren Jesus gefunden hatten, landeten sie schließlich im Kindergarten Schmetterling. Ein Name, der versprach, was sie sich insgeheim erhofften: Verwandlung.


Die Eingewöhnung jedoch war zunächst alles andere als leicht. Maria war ehrlich gesagt noch nicht wirklich bereit loszulassen. Ihr Herz hing an jedem Schritt ihres Kindes, und jeder Abschied fühlte sich ein bisschen zu groß an. Doch nach vielen Gesprächen mit der Standortleitung, der gruppenführenden Pädagogin und dem gesamten Team wurde es langsam einfacher. Für Maria und auch für Jesus. Er fühlte sich von Tag zu Tag wohler, fand seinen Platz, sein Lachen, seine Ruhe.


Josef hingegen interessierte das alles herzlich wenig. Er wollte einfach in Ruhe arbeiten und mit dem ganzen Kindergartentrubel absolut gar nichts zu tun haben. Windeln, Morgenkreise und Bastelarbeiten waren nicht seine Berufung. Aber wenn es um größere Projekte ging – den Bau eines Komposthaufens, die Erweiterung des Stalls oder das Sommerfest – brachte er sein handwerkliches Wissen ein und packte kräftig mit an.


Nach etwa einem halben Jahr hatte Jesus viele Freunde gefunden. Die Energie in der Gruppe war eine andere geworden. Die Kinder waren ruhiger, spielten altersgemäß miteinander und es wirkte beinahe so, als würden sie gemeinsam philosophieren, sich gegenseitig stärken und unterstützen. Eine kleine Gemeinschaft im Werden.


Und so kam es, dass sich eines Tages bei den Kaninchen im Stall ein ganz besonderer Vorfall ereignete.


Es war ein herrlicher Frühlingstag. Die gruppenführende Pädagogin brachte ihren geliebten Kaninchen eine große Portion frischen Löwenzahn. Doch eines davon war so gierig, dass es einfach nicht genug bekommen konnte, und sich prompt verschluckte. Alle standen sprachlos, hilflos und wie gelähmt vor dem Stall. Alle, außer Jesus.


Er wusste sofort, was zu tun war. Mit einer Ruhe, die man einem Kindergartenkind kaum zutrauen würde, rutschte er auf den Knien unter den Beinen der Pädagogin hindurch, massierte behutsam den Bauch des Kaninchens und wie durch ein kleines Wunder entspannte sich das Tier. Der „Hase“ öffnete die Augen, atmete tief durch und sprach:

„Jesus, du bist wiedergeboren. Welch Wunder auf dieser Welt. Ich danke dir, dass du mir mein Leben zurückgegeben hast.“


Und in diesem Moment wurde allen klar. Die kleinen Wunder entstehen, wenn Kinder lachen, sich helfen und zusammenhalten, wenn Gemeinschaft wächst und jeder seinen Platz findet.

Ich wünsche dir ein friedvolles, kuscheliges und ein kleines bisschen magisches Weihnachtsfest. 
-Martina E. Fuchs-

Wer freut sich auf Vanillekipferl ?

Das ist ganz klar: Zürich.

Und warum das so ist, erzähle ich euch jetzt.


Am vergangenen ersten Adventwochenende  führte mich meine Reise in die wunderschöne Schweizer Stadt Zürich. Kaum angekommen, hieß es auch schon: Kekse backen!


Also: erste Vorbereitungen treffen, einkaufen, die Waage herrichten, Zutaten abwiegen, alles gut miteinander verrühren – und das funktioniert natürlich am besten mit kleinen, feinen, fast vier Jahre alten Kinderhänden.


Zum Schluss kommt die Butter dazu, und dann wird’s erst so richtig schön: die Butter-Mehl-Nuss-Zucker-Mischung verwandelt sich voller Freude in einen kleinen Berg, der denen in Graubünden in nichts nachsteht. Und natürlich gehört auch das Schlecken dazu – das ist ganz klar.


Nachdem der Berg vollendet ist, geht er schlafen, begibt sich zur Ruhe in den Kühlschrank, um dort mindestens zwölf Stunden zu träumen.


Ja, und am nächsten Tag geht es munter weiter: Da werden nicht nur Vanillekipferl geformt, sondern auch Traktoren, Weihnachtsbäume und natürlich der weltberühmte Gingerman-Ironman ausgestochen.


Dann schneit es kurz: Jede Menge vanilliger Staubzucker rieselt über die wunderbaren Kekse – über die ausgestochenen und über die geformten, versteht sich. Und anschließend dürfen sie wieder ruhen, in einer Dose im Vorratsschrank.


Wie lange sie dort ruhen?

Oh, das zu verraten wäre jetzt zu indiskret. Ich habe immer nur ein heimliches Rascheln gehört. Und genau dann, wenn der Kaffee in der Bialetti fertig war – ja genau dann – konnte man den Grund der Dose schon ziemlich schnell sehen.


Und die Moral von der Geschicht:

Ein Teig reicht einfach nicht.


Und so wird auch am Ende des Adventwochenendes noch einmal ausgestochen und geformt.

 -Martina E. Fuchs- 

Im Gasthaus Advent …

Das Gasthaus Advent liegt an einer stillen Waldlichtung, wie ein kleiner Schatz, der dort schon immer gewartet hat. Davor brennt beinahe ununterbrochen ein Lagerfeuer, dessen Flammen jeden willkommen heißen. Hier kann man sich nach einem langen Spaziergang zum ersten Mal aufwärmen, äußerlich und innerlich.


Die Familie, die das Gasthaus führt, tut dies mit einer solchen Hingabe, dass man sie in jeder Tasse Tee und in jedem Blick spürt. Rundum liegen Kräuter- und Gemüsegärten, die gerade im Winterschlaf liegen. Doch genau aus diesem Gemüse und all den kleinen Kostbarkeiten aus Wald und Wiese entsteht im Advent eine Küche, die einen liebevoll umhüllt.


Und dann ist da noch dieses eine Zimmer. Es führt in eine tiefe, fast märchenhafte Ruhe. Ein Bett mit einer Geborgenheitsdecke wartet darin, so einladend, dass man selbst beim Hinsehen schon langsamer atmet.


Auch ich miete mich dort manchmal ein, wenn ich das Gefühl habe, nicht in diese Welt hinaustreten zu wollen. Wenn ich einfach nur einen Tag für mich brauche. Erst ruht man sich aus und dann beginnt langsam die Magie des Gasthauses Advent zu wirken. Man hilft mit, gestaltet kleine Gestecke für die Tische, dekoriert gemeinsam, kocht miteinander. Und irgendwann merkt man, dass man dazugehört.


Wenn auch du dieses Bedürfnis verspürst, einmal einen ganzen Adventtag abzutauchen, dann melde dich gerne bei mir. Ich nehme dich mit zu diesem stillen Ort, wir gehen gemeinsam den kleinen Weg durch den Wald und dann kannst du ihn selbst erleben, den Zauber des Gasthauses Advent.

 -Martina E. Fuchs- 

Mundartgedichte zur Winterzeit …

Rauhreif

Da Woid is zuadeckt mit weiße Spitzen, 
und auf an jedn Astl sitzen
bauschate Polster, wia a Flam,
ruahwig da Wind, er rüahrt se kam.

Hiatzt bleazelt d'Sunn', und mit Diamantn
tuat se da Föhrabam putzn und g'wandtn.

Vor so viel on Schönheit, liacht wia da wöll, holst oamoi tieaf Otem und woaßt auf da stö:

S'Woildviertl is a zur Winterzeit sche!

Sehnsucht 

De Sehnsucht, de is groß 
noch Zeit hom und noch Ruah, 
doch hat mei Herz a Schloss, 
sperrt außi und sperrt zua. 

I möcht hiatzt im Advent, 
wo's grab is und schia kolt, 
wo sein, wo's Feuer brennt 
und wo oam ana holt. 

A Stubn voll lieaba Leut,
a G'spräch, a Zuatraun krieagn,
i möcht in dera Zeit 
di und mi selba g'spiarn.

 -Isolde Kerndl- 

Ein Hauch von Stille …

Weihnacht
Rückt näher
Zimt und Piment
Duften um die Wette.
Geschichten lesen bei Kerzenschein
Stille Abende in trauter Zweisamkeit.
Ein knarzen und krachen im Winterwald
Sonnenstrahlen berühren die Schneedecke
Eiskristalle ziehen einen Glitzervorhang übers WinterZauberLand.

 -M.E. Fuchs- 

Novemberstille …

Noch lecken die Herbstsonnenstrahlen den Raureif auf.

Ich lausche dem Wind, der in den Ästen knackt,

und spüre sie unausweichlich – die Zeit der alten Weisen naht.

Ich habe keine Angst vor ihr und ihrem Gefolge.

Sie ist wild, unbeugsam und hold zugleich,

wohnt sie doch im Hollerloch, verborgen im Erdengrund.

Sie hilft den Seelen hervor und hinab, ist Hebamme aller Zeiten

und meine Verbündete in dieser stillen, innigen Zeitqualität.

 -M.E. Fuchs- 

Flüstern im Herbstlaub

Die Natur zieht den Rückzug an,
lässt einfach los, wie nur sie es kann.
Rauhreif legt sich über die Wiesen,
das Licht wird weich, die Schritte leise.
Im Schweigen liegt das bunte Staunen,
ein herzvolles Danke hängt in der Luft.

 -M.E. Fuchs- 

Herbstworte weben …

Grüner September.

Ein Hotel, verloren zwischen den Zeiten.

Nebelschleier umspielen sanft die Hügel,

letzte Rosen leuchten im vergänglichen Glanz.

Müde sinken Eschenblätter nieder,

als ahnte das Jahr sein nahes Ende.

 -M.E. Fuchs- 

Sommer, Sonne, Leichtigkeit …

Ich sehne mich danach, federleicht zu sein.

In mir erwacht die Erinnerung.

Ich bin frei, ich bin genug

und ich bin die Kapitänin meines inneren Schiffes.


Unter mir rauschen Gedanken,

alte Programme, die sich endlos wiederholen.

Doch sie sind nur Wellen

und ich bin der Ozean.


Wenn ich mich der Stille hingebe,

kehrt Leichtigkeit ein.

Nicht im Außen beginnt sie,

sondern in mir.

Erst dann spiegelt die Welt sie zurück.


Die Käfige meiner Vorstellungen öffnen sich.

Ich war es gewohnt, die Schwere zu wählen.

Heute aber entscheide ich mich neu abzubiegen, in die Leichtigkeit.


Ich pflanze neue Samen.

Liebe, Nähe, Freude, Vertrauen.

Und mit jedem Atemzug

wird das Neue zur Gewohnheit.


So gestalte ich mein Leben

mit Freude, mit Leichtigkeit,

im Jetzt und ganz ich selbst.

 -M.E. Fuchs- 

Ein Hotel für die Seele …

Zwischen Kaffeetasse und Waldrand macht die Seele im Hotel im Wald einen Halt und öffnet sich dem Hohen-Frauentag-Wochenende wie ein Fenster dem Morgenlicht …


Meine Seele hängt gerade wie eine Hängematte im Wald, schaukelt sanft unter dem Nussbaum im Liegestuhl und genießt die Stille. Sie vertieft sich in einen Roman, der ihr Herz berührt, und am Abend freut sie sich auf einen gebratenen Zander mit Kartoffeln – schlicht, aber so köstlich, dass gerade diese Einfachheit sie verzaubert. Weniger ist oft so viel mehr. 

Und weil sie heute Morgen Lust auf Abenteuer hat, steigt sie kurzerhand auf das Fahrrad der Hotelchefin und radelt einfach drauflos – wohin auch immer der Weg sie trägt.


Er führt sie nach Salzburg, in die quirlig funkelnde Festspielstadt, wo die Straßen von Stimmen und Musik erfüllt sind. Doch mein Herz kennt sein Ziel: die süßen Fürst-Mozartkugeln, ein Stück glänzender Tradition. Dann ein kurzer Halt in der Linzer Gasse, wo noch der Geist des Paracelsus weht, weise und geheimnisvoll. Zwischen Buchseiten im „Neuen Leben“ verliere ich mich für Momente in alter Literatur, als würde die Zeit ein wenig langsamer fließen.


Die Sonne drängt, die Hitze sammelt sich wie ein goldener Mantel über den Dächern. Ehe sie mich überwältigt, suche ich den Schatten der Salzach. Ihr Wasser weist mir den Heimweg, kühl und glitzernd. Tritt für Tritt verlasse ich die Stadt, radle hinaus ins Grüne, zurück in mein Hotel im Wald.


Dort wartet wieder der Nussbaum, der Liegestuhl, die Stille. Und meine Seele – heimgekehrt, satt an Eindrücken und den echten Mozartkugeln, leicht wie ein Sommerwind.

 -M.E. Fuchs- 

Aussicht auf Einsicht …

Die Welt rast.

Laut. Grell. Unaufhaltsam.

Und ich?

Ich taumle hinterher,

werde stiller mit jedem Tag,

müder, langsamer, durchlässiger.


Wie soll das gut gehen mit mir,

so mittendrin,

und doch so weit weg?


Dann, ein Moment.

Ein Blick.

Hinaus aus einer Wohnung,

so schön,

sie könnte ein Versprechen sein.


Weite breitet sich aus – außen wie innen.

Horizonterweiterung.

Nicht nur im Auge,

auch im Herzen.


Mit der Weite kam sie, die Einsicht.

Weniger ist nicht Verlust,

es ist Raum,

es ist Luft,

es ist Leben.


Inmitten all dessen, Ruheinseln.

Täglich.

Still.

Heilig.

Nicht um zu entfliehen,

sondern um ganz da zu sein.

 -M.E. Fuchs- 

Sommer ist HochZeit …

Lasst Liebe auf euch regnen, 
wie ein warmer Sommerschauer, 
der die Seele streichelt. 

Lasst sie euch gießen, 
in Strömen, die euch tragen und 
zum Blühen bringen. 

Lasst sie euch immer wieder neu 

begegnen, 

in einem Blick, in einem Lächeln, in den stillen Momenten. 

Lasst es immer so sein, 
ein WIR, das wächst, das hält, das leuchtet.

 -inspiriert vom Reinhard Mey Song- 

Sommer in mir …

An dem Wochenende, an dem täglich weltweit deutlich über 100.000 Flugzeuge den Himmel queren, bleibe ich lieber am Boden, nasche Kirschsekunden und pflücke Schwarzbeeren für die Geburtstagstorte meiner Nichte Olivia. Dabei nehme ich auch zahlreiche Bremsenstiche in Kauf, schließlich möchte ich mir diese Erinnerung ja mit in die Großstadt nehmen - die kühle Abendluft zur Dämmerung im Wald.

Neben all dem Trubel finde ich dennoch Zeit für Atempausen im kühlenden Grün. Ich lausche den Vögeln. Sie singen immer noch lauthals-freudvoll und künden vom Sommer, der größer ist und ganz ohne Größenwahn auskommt. Die Zugvögel müssen es schließlich wissen. Sie können fliegen. Ganz ohne Privatjets.

 -M.E. Fuchs- 

Erdbeeren schreiben Kurzgeschichten …

E rdenfrau im

R oten Kleid

D uftest zart und verströmst

B eerige Schönheit -

E ndlos verzaubernd.

E rinnernd an fröhliche Kindertage,

R aumnehmend und

L ieblich zugleich

I mmer wiederkehrend - einfach da.


Es war einmal eine Frau, die sich verloren fühlte. Fremd in sich selbst und in der Welt, während sie durch eine stille Berglandschaft wanderte. Am Wegesrand entdeckte sie plötzlich kleine, leuchtend rote Erdbeerchen.

Kostbar und süß, wie aus einer anderen Zeit.

Zwischen zarten Blüten und glänzenden Früchten schien ein Pfad zu entstehen, eine Treppe aus lebendigem Grün. Diese Treppe führte sie hinauf und gleichzeitig tiefer in sich hinein, bis zu einer mächtigen Holunderstaude.

Der Hollerbusch stand da wie eine uralte Wächterin, wild umrankt von Moos, tief verwurzelt in der Erde. Unter ihrem weit ausladenden Blätterdachbogen nahm die Frau Platz, ließ sich nieder wie in einen Schoß, der sie schon immer zu kennen schien. Dort wurde sie still. Und etwas in ihr wurde ganz. Geborgenheit floss durch sie hindurch, und ein Verstehen, das keine Worte brauchte.


Mit einer Melodie im Herzen und feuchten Augen stieg sie später die Erdbeertreppe wieder hinab. Zurück in eine Welt, die dieselbe geblieben war, und doch eine andere.

 -M.E. Fuchs- 

Erdenfrau

Sie sieht durch mich

die filigranen Blüten,

jedes neue Bäumchen, das erwacht.


Sie hört das Tosen des Wassers,

die Kraft des Regens.

Sie sieht das zarte Blau des Himmels,

Wölkchen, Nebelschwaden

wie eine Daunendecke auf ihren Höhen.


Sie fühlt durch mich

die kühle Morgenluft auf der Haut,

den frischen Atem –

empfangen, verschenkt.


Sie lauscht meinen Schritten,

dem Vogelkonzert um mich.


Sie sieht die Farben,

das Kätzchen, lauernd im Gras,

fühlt sein Fell an ihrem Bein,

sein Schnurren, ihr Streicheln.

Sie beobachtet die Vögel in der Wiese,

schmeckt die Walderdbeere

im frühen Licht.


Sie nimmt ein Schneckenhaus,

streicht über seine Zeichnung.


Sie trinkt das Quellwasser –

klar, lebendig –

fühlt, wie es durch sie fließt.


Vom Gesang der Vögel berührt,

beginnt sie zu tönen,

im Einklang mit allem.

Dem Licht entgegen.


Sie schreit durch mich:

„Nein. Hör auf.“

Spürt: Es reicht. Endlich.


Sie stapft durchs hohe Gras,

entdeckt das Verlorene –

und lebt.


Durch mich fühlt sie

Freude, Traurigkeit, Lebendigkeit
Und alles dazwischen.


Sie singt der Schönheit ein Lied,

lässt sie durch sich klingen –

heller, klarer, mit jedem Ton.
Ich bin die Erde.

 -M.E. Fuchs- 

Zur Maienzeit ...

Sattgrün, leuchtende Wiesen & Wälder
Der Himmel in zartem Blau
Vom Maienrausch der Natur betört. 

 -M.E. Fuchs- 

„Als Kind fühlte sie sich stets ein wenig zu klein. In Gedanken reckte sie sich, sehnte sich danach, nur ein Stückchen größer zu sein. Dann, an einem jener ersten Maitage, als die Luft nach Aufbruch roch, hörte sie eine Geschichte. Der Regen im Mai, so sagte man, sei ein besonderer. Einer, der Wünsche erfüllt und zum Wachsen bringt, was gedeihen will.


Von da an zog es sie hinaus, sooft der Frühling den Himmel grau färbte. Wenn der Regen in leisen Tropfen fiel, stellte sie sich darunter, ließ ihn über ihr Gesicht laufen wie flüssiges Licht. Das Wasser rann in feinen Strömen über ihre Haut, durchnässte sie bis auf die Knochen, doch sie lief nicht davon. Im Gegenteil - sie blieb und fühlte sich seltsam zu Hause.


Leise, fast wie ein Gebet, sang sie zu den Wolken hinauf. Sie sprach mit dem Regen, als sei er ein alter, weiser Freund und wer genau hinhörte, hätte meinen können, der Regen antwortete ihr. 

 

So stand sie da, Tag für Tag, unter dem flüsternden Himmel. Und siehe da – sie wuchs. Nicht an Körpergröße sondern mit jedem Herzschlag. Mit jeder Träne, die der Regen sanft davontrug. Mit jeder Hoffnung, die leise zu keimen begann.“

 

Und wer sie heute sieht, weiß vielleicht nicht, wie klein sie sich einst gefühlt hatte. 


-Inspiriert vom Lied „Mairegen“ von Reinhard Mey-

Eisbären auf dem Laufsteg ...

Kleine Entdecker ganz groß – Anekdoten aus acht Wochen Abenteuer Natur im Kindergarten.

Es war einmal, in einem zauberhaften Kindergarten am stillen Stadtrand. Dort konnten die Kinder nach Herzenslust toben, spielen und forschen – mitten in der unberührten Natur, frei und wunderbar ungestört. 

Mal verwandelten sie sich in elegante Models, die über einen glitzernden Blütenmeer-Laufsteg schritten. Mal waren sie wilde Eisbären, die durch den Schnee stapften und mit ihren Mützen an Stöcken lautstark „Laterne, Laterne“ sangen. Aber nur dann, wenn die Mamis am Morgen mal nicht so schick gekleidet waren und statt Socken aus Versehen Strumpfhosen getragen hatten.

Auf der anderen Seite tobten die Römer. Mit langen Stöcken kämpften sie gegen die wilden Gallier. Doch als die Römer merkten, dass die Gallier – dank ihres geheimnisvollen Zaubertranks – viel stärker und klüger waren, als sie es sich je hätten träumen lassen, rannten sie weinend davon. Die Eisbären aber störte das nicht im Geringsten. Sie stapften unbeirrt und stolz weiter über den Laufsteg, ganz ohne Tränen. Denn Eisbären weinen nicht. Außer vielleicht im Sommer, aber da ist der Abenteuer Natur-Kurs längst zu Ende. 

Oh, wie schön wäre es, wenn ich das auch zusammen mit meinem Papa erleben könnte. 
 -M.E. Fuchs- 

Oster-Auszeit ...

Vom

See

beseelt

Von den

Frühlingsfarben

berauscht 

Von der 

Erde 

genährt

Seelengeistkörper

Oster-Auszeit

für

mich.

-M.E. Fuchs-

Karfreitags - Kummer …

Gott ist gestorben.

Seine Zeit war gekommen.

Er selbst konnte es kaum fassen, 

und dann atmete er nur noch aus.


Wer lässt nun die Blüten duften,

die Bäume wachsen?

Wer heilt spontan in Lourdes?

Wer fühlt mit denen,

die verlassen zurückbleiben?


Ich atme weiter.

Ich rieche sie noch,

die Blüten am Wegesrand.

Die Bäume tragen mich noch.

Und auch die Verbindung

spüre ich noch.

Zu dir.

Danke.

-M.E. Fuchs-

Ostergedanken ...

Erwachte Frühlingskraft

Osterglocken läuten zum Fest 

Auszeit genießend.


Als Jesus beginnt, offen über seinen Putzzwang zu sprechen, atmen 102 der 435 anwesenden Frauen tief durch und sinken erleichtert in ihre Sessel zurück. So selbstverständlich, wie er davon erzählt, dass er es einfach nicht erträgt, wenn auch nur der kleinste Krümel auf dem Boden liegt, fühlen sich diese Frauen plötzlich gesehen. Angenommen.


Die Atmosphäre in der Bergkirche löst sich auf einen Schlag – ein leises, warmes Knistern breitet sich zwischen den Menschen aus. Niemand runzelt mehr die Stirn, als Jesus sich auf einmal unruhig nach vorne beugt, sich auf die Erde kniet und mit seinem Schweißtuch die Wassertropfen aufwischt, die von den vielen Blumen stammen, die man ihm zuvor geschenkt hatte.


Statt Irritation liegt jetzt Mitgefühl in der Luft. Tiefe, stille Verbundenheit. Und aus den Mündern der Frauen erklingt sein Wort:


„Schließlich sage ich euch allen: Seid euch in der gleichen Gesinnung einig, habt Mitgefühl füreinander und begegnet euch in geschwisterlicher Liebe! Seid barmherzig und demütig!“ (1 Petrus 3:8)

Ersetze für dich den Putzzwang durch das heimliche Verlangen, die versteckten Ostereier der Vergangenheit immer wieder neu zu entdecken, oder das ungestillte Bedürfnis, 

die ersten Blüten des Frühlings zu zählen, 

bevor jemand anderes es tut.
-M.E. Fuchs-

Tochter der Winde & der Zaunkönig...

Röschen im Wind
Zart-stark trotzt sie der Kälte,
Frühlingsherzen erfrischend.


Die Bäume entlang des Donaukanals haben bereits ihr Frühlingskleidchen angezogen,
und die Nester verschwinden zusehends im frischen Laub. Eine Vogelmutter ist ausgeflogen, um Frühstücksfutter für ihre gerade frisch geschlüpften Kleinen zu organisieren.

In der Erde tummeln sich auch die Würmer.
Sie genießen die wohlige Wärme an der Oberfläche  und knabbern genüsslich an süßen, zarten Wurzeln, die so herrlich erfrischend schmecken in diesem Frühling. 

Ein paar Zweige weiter sitzt ein kleiner Zaunkönig und hebt zu seinem Morgenlied an.
Sein Brustgefieder vibriert im Takt der ersten Sonnenstrahlen,  und sein Konzert erfüllt die Luft – laut, stolz, erstaunlich kräftig für so ein kleines Wesen.  Er singt, als würde er die Welt wachküssen. 
Wieder zurück im Nest, werden die Kinder rasch gefüttert.  Kleine Schnäbel recken sich, piepsen vor Hunger und schon herrscht wohliges Schweigen, wenn die Bäuchlein gefüllt sind. Dann wird eine Runde gekuschelt. Flügel zart um das flaumige Leben gelegt. 
Einatmen. Ausatmen. Geborgenheit. 

Oh, ist das ein schönes neues Leben… 
-M.E. Fuchs-

Satter Frühlingsregensegen ...

Heute regnet es auch in mir.

Ich bin dankbar dafür –

zu trocken war es die letzten Wochen.

Ich atme tief ein und lasse alles fließen.

Die Erde trinkt das Nass und leuchtet

in ersten sanften Grüntönen. 
-M.E. Fuchs-

Frühling erwacht ...

Flauschig graue Knospen
Sanft die Seele streichelnd
Im Übergang zum Frühling.

-M.E. Fuchs-
 

Eine polnische Legende erzählt: Vor vielen Frühlingszeiten saß eine schöne graue Katze schluchzend am Ufer eines Flusses. Ihre Jungen, die beim Jagen von Schmetterlingen ins Wasser gestürzt waren, kämpften verzweifelt gegen die Strömung und drohten zu ertrinken.

In ihrer Not schrien die kleinen Katzen und strampelten panisch, doch es gab nichts, woran sie sich festhalten konnten. Unweit des Ufers stand eine alte Weide, die das Leid der kleinen Familie ergriff. Mitfühlend senkte sie ihre langen, eleganten Zweige ins Wasser und zog die hilflosen Kätzchen heraus.

Die Jungen klammerten sich fest an den herabhängenden Ästen und kletterten langsam nach oben, bis sie endlich in Sicherheit waren. Die Mutterkatze war überglücklich und dankte der Weide von Herzen für die Rettung ihrer Kleinen. Seit jenem Tag treiben im Frühjahr kleine, pelzige Knospen an den Zweigen der Weide aus – eine Erinnerung an die wundersame Rettung.

Ein neues Jahr liegt vor uns ...

Im sanften Windhauch,
Baumknospen tanzen im Licht,
Neues Leben erwacht.

-M.E. Fuchs-
 

Im Winter schlummert tief unter Schnee und Erde eine kleine Zwiebel, erfüllt von Sehnsucht nach Licht. Ein Sonnenstrahl weckt sie und flüstert von der Zukunft: „Der Sommer wird kommen.“ Von Hoffnung angetrieben bricht die Blume durch die Schneedecke und öffnet ihre zarte Knospe – trotz Kälte und rauer Winde.

Kinder entdecken das Schneeglöckchen, pflücken es und bringen es ins warme Haus. Es wird zu einer Botschaft der Liebe, eingeschlagen in ein Gedicht und versendet. Doch die Zeit vergeht, und die Blume wird vergessen. Schließlich landet sie zwischen den Seiten eines Buches. Jahre später entdeckt ein Leser sie wieder und erkennt: Die Blume mag welken, doch sie bewahrt den Glauben an den Neubeginn. Sie bleibt ein stilles Zeichen für den Mut, trotz Dunkelheit an das Licht zu glauben. 

-inspiriert vom Märchen "Das Schneeglöckchen" von Hans Christian Andersen-

Weihnacht hält den Atem an,

Hoffnung strahlt im leisen Licht.
Neubeginn erwacht.


Eine Krippe in einer Kate am Waldrand.

Zwei Menschen, die sich lieben.

Drei KönigInnen mit ihren Gaben: Weihrauch, Gold und Myrrhe.

Vier Engel, die Jubellieder singen.

Fünf haarige Vierbeiner, die wohlige Wärme schenken.

Sechs Freunde, die Zeugen des Wunders werden,

mit sieben Heilpflanzen im Gepäck,

vom Licht der Liebe, das sich alle Jahre wieder im ewigen Kreis erneuert.

-M.E. Fuchs-

Advent im Wald

Wie du dir sicher vorstellen kannst, hat der Weihnachtsmann gerade mächtig viel um die Ohren. Da er nicht mehr der Jüngste unter uns ist, und sich voll und ganz auf die diesjährige Weihnachtsschlittenfahrt mit konsumorientierter Geschenkeüberhäufung konzentrieren möchte – ohne dabei das Zeitliche zu segnen – beschließt er, sich einen Tag Auszeit zu gönnen. Er schnappt sich eines seiner Lieblingsbücher, einen dieser alten Schmöker, bei denen die Seiten leicht nach Zimt und Abenteuer duften, und macht sich auf den Weg in den tiefen Wald. Dort, fernab vom fröhlichen Chaos seiner Werkstatt, findet er seinen Lieblingslaubbaum – ein imposanter, knorriger Riese, der schon so manches Jahrhundert überdauert hat. Er lässt sich am Stamm nieder, zieht seinen Mantel enger um sich und lauscht dem Flüstern der noch vereinzelt verbliebenen Blätter. Der Wind streicht sanft durch die Zweige und fegt die wirren Gedanken, die durch seinen Kopf tanzen, einfach davon. Für einen Moment gibt es nur den Wald, die leisen Stimmen der Natur und die Worte seines Buches, die ihn in eine andere Welt entführen. Während die Sonne langsam untergeht und das Licht in warmen Goldtönen durch die Baumkronen bricht, spürt der Weihnachtsmann eine tiefe Ruhe in sich aufsteigen. Hier, inmitten des Waldes, scheint die Zeit stillzustehen – kein Stress, kein Druck, nur die sanfte Gewissheit, dass sich die Welt auch ohne ihn für einen Tag weiterdreht.

Mit der untergehenden Sonne im Rücken und einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen kehrte der Weihnachtsmann nach Hause zurück. Der Tag im Wald hatte ihm gezeigt, dass es nicht darauf ankam, alles perfekt zu machen, sondern mit Ruhe und Hingabe Schritt für Schritt voranzugehen. Während in seiner Werkstatt das vertraute Gewusel auf ihn wartete, fühlte er sich leichter und sicherer als zuvor – bereit, den Herausforderungen der Weihnachtszeit mit Gelassenheit und Zuversicht zu begegnen. 

-M.E. Fuchs-

Jeans, Holzfällerhemd & gute Taten 

Nikolaus steht vor der Tür. Du hättest ihn fast nicht erkannt.

„Ich brauchte mal eine Typveränderung", sagt er. „Nach 1700 Jahren wird es Zeit."

„Ja, komm doch rein!“ Mit einem Lächeln öffne ich die Tür. „Wie schön, dass auch du mit der Zeit gehst. Setz dich, mach es dir bequem! Du musst ja hungrig und durstig sein.“ Ich deute auf den Tisch, der einladend gedeckt ist. „Gerade eben habe ich frischen Punsch gemacht, und ein paar Käsetoasts warten auch noch. Oder... bist du vielleicht inzwischen vegan unterwegs?“ „Nein, nein“, erwidert er lachend und streicht sich über den Bart. „Das rechte Maß tut mir noch immer gut.“ „Aber sag mal,“ frage ich neugierig, „was hat es mit deiner Typveränderung auf sich? Die auffällige rote Kleidung ist ja komplett verschwunden!“ Er lehnt sich zurück und mustert seine Jeans und das karierte Holzfällerhemd, als würde er es selbst erst richtig wahrnehmen. „Ach, weißt du,“ beginnt er, „ich wollte einfach nicht mehr so auffallen. Ich liebe diese Klamotten – sie sind bequem und fühlen sich nach mir an. Meine guten Taten kann ich schließlich genauso gut in meiner Lieblingskleidung vollbringen.“ „Und wie ist das jetzt eigentlich, wenn es um andere Religionen geht?“, frage ich nach. „Zum Beispiel, wenn du einem Muslimen etwas Gutes tun willst – beschenkst du auch sie?“ Er nickt mit ernster Miene, die Augen leuchten dabei. „Natürlich! Für mich gibt es keine Unterschiede. Weißt du, am Ende wollen wir Menschen doch alle dasselbe: gesehen und gehört werden. Und genau dafür bin ich da – direkt, in meiner Lieblingskleidung und einem offenen Gespür für das, was jemand gerade wirklich braucht.“ Ich lächle wieder oder noch immer. „Danke für deinen Besuch. Es war mir wie immer eine Freude. Versprich mir, dass du auch nächstes Jahr wieder vorbeischaust!“
-M.E. Fuchs-